Der Mann von fünfzig Jahren
Von der Wiege bis zur Bahre sind es fünfzig Jahre, dann beginnt der Tod. Man vertrottelt, man versauert, man verwahrlost, man verbauert und zum Teufel gehn die Haare. Auch die Zähne gehen flöten, und statt daß wir mit Entzücken junge Mädchen an uns drücken, lesen wir ein Buch von Goethen.
Aber einmal noch vorm Ende will ich so ein Kind mir fangen, Augen hell und Locken kraus, nehm´s behutsam in die Hände, küsse Mund und Brust und Wangen, zieh ihm Rock und Höslein aus. Nachher dann, in Gottes Namen, soll der Tod mich holen. Amen.
Hermann Hesse

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