Berührung
Wenn Deine Hände mich berühren anfangen mich langsam zu verführen, dass Verlangen sich stetig aufbaut Sehnsucht aus den Augen schaut,
Schmetterlinge im Bauch sich regen Lippen mich immer mehr erregen, Schweißperlen die Stirn benetzen die Zunge die Hände ersetzen,
Hände und Knie leicht beben Körper die Sinne sich hingeben, Stöhnen durchs Zimmer schwebt das Becken sich Dir entgegen hebt.
Wenn Musik in den Ohren erklingt kein Geräusch mehr zu Dir dringt, alles vor den Augen verschwimmt Rhythmus die Bewegung bestimmt.
Wenn Deine Hände mich berühren dann will ich Dich zu mir führen, Einlass gewähren ins feuchte Paradies über dem schimmert ein schwarzes Vlies.

Kuss
Auf die Hände küsst die Achtung, Freundschaft auf die offne Stirne, Auf die Wange Wohlgefallen, Selge Liebe auf den Mund; Aufs geschlossne Aug die Sehnsucht, In die hohle Hand Verlangen, Arm und Nacken die Begierde, Überall sonst hin Raserei.
(Franz Grillparzer, 1791-1872)

Wir im Welteninnen
Pflanze auf meine Lenden Deiner Liebesküsse Raserei: Sieh: mein Schrei Brüllt wie eine Fackel auf zu Weltenbränden.
Lass die Sterne bleich ins Nichts verrinnen, Lass die Erde sich in Asche modern, Wir im Welteninnen Werden wie die Hölle ewig lodern.
(Klabund, 1890-1928)

|